Rien ne va plus!

Gerade habe ich mich auf der Toilette wieder einmal dabei ertappt, wie ich verzweifelt den Eimer für das Toilettenpapier gesucht habe. Da war kein Eimer. Ich realisierte: Da braucht es keinen Eimer. Die Abwasserleitung vermag das Papier zu schlucken. Ich bin in Europa.

Die letzten Wochen sind wie die Radfahrer der Tour de France an uns vorbeigerauscht. Nun versuche ich mich an Details zu erinnern, dabei hüpfen die Bilder in meinem Kopf wild durcheinander. Ich bemühe mich die Bildfetzen nach Eingang zu ordnen.

In Miami kam es zum grossen Wiedersehen mit Svens Eltern, zur Feier des Tages kehrten wir in einem Burgerschuppen ein; natürlich keiner dieser Fastfooddinger, nein, ein richtig edler.  Wir assen – ja genau – die besten Burger unseres Lebens. Okay, vielleicht nicht die allerbesten, aber in die Top five könnten sie es schaffen.Die Alligatoren in den Everglades waren zum Glück etwas weniger hungrig und liessen uns ungehindert vorbeispazieren. Dafür wurden wir um ein Haar vom Outletshoppingcenter in Fort Lauderdale verschluckt. Schliesslich schafften wir es aber dennoch pünktlich auf unseren Luxusdampfer namens NCL Epic. Elf langweilige Tage auf hoher See und ohne Internet warteten auf uns. Dachten wir zumindest. In Wahrheit waren es nämlich deren zwölf, das Programm hätte aber problemlos auch für dreissig gereicht. Ich für meinen Teil kann jetzt auf jeden Fall bestens mit den Rentnern mitfühlen, die jeweils total gestresst aus ihren Kreuzfahrtferien zurückkehren. Das Durchschnittsalter lag übrigens bei 59.

Bei der Abarbeitung des Programms hatten wir den kleinen Vorteil, dass uns auf dieser Reise einzig ein Landgang in Madeira in die Quere kam. Wären da nicht an zwei Tagen noch die etwas zu hoch geratenen Wellen gewesen, hätten wir vielleicht noch etwas mehr geschafft. Aber schliesslich wollte ich mich nicht dem Herrn anschliessen, der es nicht mehr bis zur nächsten weissen Tüte schaffte und schliesslich vor das Buffet reiherte. Der Kapitän, ein gutgelaunter, grauhaariger Norweger, sah sich am Ende unserer Reise an seine Jugendtage im schaukligen Fischkutter erinnert. Dabei hatte unsere schwimmende Stadt mit einer

 Länge von 329  Metern und 17 Stockwerken so gar nichts mit einem Kutter gemeinsam. Integriert waren 20 Restaurants, 18 Bars, Theater, Kino, Casino, Kunstgallerie, Shoppingmeile, Wellnessbereich, Fitnesscenter, Liegedeck, Aussenpools, Wasserrutschen, Kletterwand, Basketballfeld und Kinderparadies. Daneben gab es ein täglich wechselndes Aktivitätenprogramm, das von Morgenstretching über Sprach-, Koch- und Bastelkurse bis zu Bingoabenden reichte. 1750 Crewmitglieder waren um das Wohl von 4000 Passagieren besorgt und mal abgesehen von der Popcornmaschine fehlte es an einfach gar nichts.

Lange haben wir uns gesträubt, es zuzugeben, aber nun ist es an der Zeit für das grosse Geständnis. Wir finden Kreuzschifffahren gar nicht mehr so unmöglich, um ehrlich zu sein sogar schon fast ein bisschen toll. Natürlich wirklich nur ein bisschen. Wir werden in naher Zukunft mit Bestimmtheit auch nicht unsere Ferien auf einem derartigen Kahn verbringen. Aber auch wir werden vielleicht irgendwann mal, auch wenn es in diesem Moment noch absolut unvorstellbar ist, NEUNUNDFÜNFZIG. Und seit einigen Tagen haben wir sogar einen Grund uns darauf zu freuen. Mit 59 Jahren, da fängt das Leben… ihr wisst schon.
Sollte es mir an dieser Stelle noch nicht gelungen sein, dich wenigstens ein bisschen zum Staunen gebracht zu haben, muss ich noch anfügen, dass dieses zwölftägige Abenteuer in einer Kabine mit Balkon 650 und in einer Innenkabine 350 US Dollar pro Person gekostet hat – Essen und viele Shows inklusive. Dieses kleine Geheimnis möchtest du aber bitte für dich behalten, schliesslich wollen wir mit 59 …

Mit dem Eintreffen in Barcelona ging  unsere Amerikatour endgültig zu Ende. Zum Verschnaufen blieb uns dennoch kaum Zeit. Vier Tage waren eingeplant um die Stadt zu erkunden. Neben dem Pflichtprogramm Picassomuseum, Olympiastadion und Gaudipark zogen uns aber vor allem die schmalen Gassen der Altstadtviertel in ihren Bann. Der Duft nach Waffelcornets, die altehrwürdigen Häuser, die grosse Markthalle und last but not least die Tapasbars und typisch spanischen Restaurants in den Gewölbekellern eroberten unsere Herzen und Gaumen im Sturm.

Es ist ein milder Frühlingssonntagnachmittag, als wir zum Aufbruch blasen. Die Strandpromenade mit den vielen Strassencafés ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und lädt zum Schlendern und Verweilen ein. Wir mischen uns unters Volk und fahren gemächlich der Küste entlang in Richtung Osten. Der gut markierte Radweg endet irgendwann unverhofft abrupt vor einem Strandrestaurant. Wer unachtsam ist, landet direkt in der Türe. Wir kriegen die Kurve gerade noch und fahren auf der Strasse etwas oberhalb weiter. Am Abend dürfen wir endlich wieder unser geliebtes Stoffhäuschen aufrichten und selber kochen, es ist fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Bei Spaghetti und Wein geniessen wir den herrlichen und uns mittlerweile vertrauten Ausblick aufs Meer.

Auf unserer Weiterfahrt begleitet uns der herrliche Duft der Pinienwälder und Rosmarinsträucher. Die naturbelassenen Küstenabschnitte und einsamen Buchten werden unterbrochen von mit hässlichen Hochhäusern zugepflasterten, zurzeit menschenleeren Badeorten. Lloret de Mar bildet unserer Meinung nach den Höhepunkt der Geschmacklosigkeit. Heruntergekommene Hotels und Neubauten dicht aneinandergepfercht, versperren die Sicht auf das Meer. Einige Touristen älteren Semesters sitzen in einem

 vor sich hinschlummernden Strandrestaurant und schlürfen ihren Kaffee, während Arbeiter damit beschäftigt sind, die Sonnenstore auf Vordermann zu bringen. Die zahlreichen Casinos, Discos und Souvenirshops, zu dieser Jahreszeit allesamt mit Stahlgittern verriegelt, lassen vermuten, dass es hier spätestens im Juli mit der Ruhe vorbei sein wird. Vier Jungs, die sich wohl vom Sonderangebot bei Vögelereisen blenden liessen und ihren Ballermannurlaub an der Costa Brava nun mit Oma und Opa verbringen müssen, ziehen gelangweilt um die Häuser.

Bald werden wir die französische Grenze und damit das letzte Land unserer Reise passieren.

Allmählich wird es uns zu mühsam, jeden Bogen an der Küste auszufahren und wir entscheiden uns für den Radweg einige Kilometer landeinwärts. Uns erwarten ländliche Idylle und Ruhe. Auf dem für Radfahrer gut ausgeschilderten, flachen Schotterweg fahren wir vorbei an Olivenhainen und endlosen Wiesen mit grosszügigen Landhäusern aus Stein, die, würden sie bei uns in der Schweiz stehen, unbezahlbar wären. Am Wegrand blüht Mohn in rot und violett und aus der Ferne vernehmen wir das Knattern eines Traktors.

Wie Inseln liegen kleine Städtchen in diesem Teil von Katalonien verstreut in der Gegend, stets auf einer Anhöhe gebaut, da früher die Ebene Sumpfgebiet war.

Eines davon ist das mittelalterliche Pals. Schöne, von Adelshäusern flankierte, gepflasterte Gassen führen auf die Anhöhe, wo einst die Festung stand. Ein auf einer Felsplattform stehender Rundturm hat als einziger Bestandteil der Festung die Jahrhunderte überlebt. Wir gönnen uns in einer der Gassen eine kleine

 Erfrischung in Form einer Glacé aus heimischen Früchten. Am allerletzten Tag in Spanien treffen wir an einem Örtchen am Meer ein und landen auf einem kleinen, familiären Campingplatz, der von eins bis tausend nummeriert ist.

Nach vier Tagen sind wir wieder im Rhythmus und bald auch an der Grenze zu Frankreich. Das Zollhaus ist verlassen und lottert vor sich hin, dafür bilden sich in den Strassen lange Blechlawinen und vor den Taxfreeshops treten sich die Kunden gegenseitig auf den Füssen rum. Kleider, Tabak, Parfüm und Frauen, hier kann man(n) alles haben. Wir leisten uns einen Liter Mineralwasser und fahren an die französische Küste. Gemeinsam mit Hunderten Franzosen verbringen wir den Auftakt des Auffahrtwochenendes am Meer. Leider fällt das Sonnenbad zünftig ins Wasser und Svens Tag beginnt mit Cola und Zwieback auch nicht wunschgemäss. Wir nutzen das blaue Loch am Himmel für einen Spaziergang am Meer und  die erste französische Crêpe trägt ihren Teil zur Ferienstimmung bei. Bei warmen Temperaturen fahren wir anderntags dem Meer entlang nach Port-la-Nouvelle. Ein kräftiger Wind fegt über die Sumpflandschaft hinweg und wir brauchen viel Energie zum Vorwärtskommen. Wehmütigen lassen wir unser Blick zum Gewusel an Segeln und Fallschirmen auf dem Meer schweifen. Wie gerne würden wir mit jenen tauschen, die in diesem Moment mit ihren Brettern scheinbar mühelos über das Wasser gleiten. Am frühen Nachmittag geniessen wir – windgeschützt hinter einer Sanddüne – die letzten Stunden am Meer. Ein komisches Gefühl es bald nicht mehr in unserer Nähe zu wissen.

Kurz vor Montpellier stechen wir landeinwärts in Richtung Winter. Während in Cannes die Schönen und Reichen bei warmen Temperaturen und Sonnenschein in ihren luftigen Roben über den roten Teppich schreiten, schlägt uns die kalte Bise ins Gesicht.

Der sanfte Anstieg führt uns gemächlich dem Zentralmassiv entgegen. Wir fahren durch verlassene Bergdörfchen und fragen uns, wer all die Pain chocolat und Baguettes essen soll, die die drei Bäckereien in ein und derselben Strasse anpreisen.

Ein kleiner Abstecher führt uns an ein wunderschönes Fleckchen Natur. Der östliche Zipfel des Stausees Lac du Salagou lieg eingerahmt von Wiesen und Rebbergen. Leider verunmöglicht der Wind einen gemütlichen Abend am See, jene mit den Segeln an ihrem Sportgerät haben auch heute das Vergnügen auf ihrer Seite. Unser Baguettekonsum nimmt mit den zu bewältigenden Höhenmetern proportional zu. Wir fahren der Quelle des Flusses Hérault entgegen und folgen dabei seinen Windungen durch die französischen Berge. Schliesslich gelangen wir zu der imposanten Schlucht „Gorges de l’Hérault“, über die die schwungvolle Steinbrücke „Pont du Diable“ führt. An diesem kühlen, aber schönen Wintertag haben wir die Touristenattraktion praktisch für uns alleine. Schliesslich führt unser Weg zum mittelalterlichen Bergdörfchen Saint-Guilhem-le-Désert, es liegt am Pilgerweg nach Santiago de Compostela und hat den Ruf, eines der schönsten Städtchen Frankreichs zu sein.

 Dem könnten wir beipflichten, wären da nicht die vielen anderen Touristen, die sich in diesem Moment ebenfalls davon überzeugen möchten. Das Kloster ist die eigentliche Hauptattraktion des Ortes, wir sind aber vor allem von den gut erhaltenen, verschachtelten Steinhäuser mit ihren Bögen und alten Holztüren, die man durch die schmalen, steilen Gassen erkunden kann, sehr angetan. Nach der kurzen Erkundungstour und einem ausgiebigen Picknick am Wasser folgen wir weitgehend dem Flusslauf des Hérault in Richtung Nordosten. Als unsere Beine vom ständigen Anstieg langsam müde werden, ist kein Campingplatz in Sicht und wir kommen endlich wieder einmal in den Genuss von Wildcampieren. Nach einer ruhigen Nacht am Fluss nehmen wir bei Sonnenschein den Aufstieg zum Mont Aigoual unter die Räder. In langen Serpentinenkurven führt die Strasse in der bewaldeten l’Hérault-Schlucht zum Gipfel hoch. Kurz vorher erreichen wir die Waldgrenze und auf den letzten, nahezu flachen Kilometern sind wir umgeben von Bergwiesen. Auf dem Aussichtsturm der Wetterstation haben wir dank klarem Wetter eine herrliche Aussicht auf das Mittelmeer, die Pyrenäen und die Alpen. Leider geht ein unangenehm kräftiger Wind und wir blasen ein Schoggireiheli später bereits zum Aufbruch. Kaum losgefahren, bekommen wir den Wind und die Kälte so richtig zu spüren. Nach einigen Kilometern rasanter Fahrt sind wir bereits total unterkühlt. Wir kramen in unseren Taschen unsere Winterhandschuhe, Thermounterwäsche und Stirnbänder, die wir seit Patagonien nie mehr gebraucht haben, hervor. Vier Grad, gefühlt null vermeldet der Frosch in unserem Wetterapp. Der Klumpen an meinem linken Bein fühlt leider schon länger nichts mehr. Zähneklappernd und inständig hoffend, diese Abfahrt würde ein baldiges Ende finden, fahren wir mit angezogenen Bremsen dem Tal entgegen. Der Weg zieht sich dahin und jeder Meter wird zur Qual. Völlig durchfroren erreichen wir eine gefühlte Ewigkeit später den Zeltplatz von Florac. Zwei Zehen meines linken Fusses sind mittlerweile blau eingefärbt und wollen selbst von Kuhnagel nichts mehr wissen.

Zwei Nächte, viel Regen und einen vorzüglichen Coq au vin später sind unsere Körper wieder soweit erholt, dass sie – wenn auch widerwillig – auf unseren Drahteseln Platz nehmen. Unsere Sommerkleider mussten dem Michelinmännchenoutfit weichen. Der nächste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten und wir nehmen es mit Wohlwollen zur Kenntnis. Cevennen wird dieser raue und wilde Teil des Zentralmassivs genannt, in dem wir uns befinden. Er ist dünn besiedelt und die wenigen Dörfer, an denen wir vorbeikommen, machen auf uns einen ziemlich verlassenen Eindruck, verschlossene Fensterläden und „à vendre“ Schilder prägen das Bild. Bewohner bekommen wir selten zu Gesicht, mit viel Glück mal einen Bauer, der seiner Arbeit auf der Weide nachgeht.

Vor 135 Jahren durchquerte der schottische Schriftsteller Robert L. Stevenson mit einem Esel diese Gegend. Seine Reiseerlebnisse hielt er in einem Buch fest. Damit lockte er bald die ersten Nachahmer in diesen verschlafenen Winkel Frankreichs und löste einen Trekkingboom aus, der bis heute anhält. Auch die Eselvermietung gehört mittlerweile zum Geschäft. Bei unserer Mittagsrast am Wegrand wollen zwei daherstolzierte, Po schwingende und schwer bepackte Esel unser Baguette anknabbern. Die temporären Besitzerinnen haben ihre liebe Mühe, die störrischen Tiere davon abzuhalten und wir bringen unsere Betriebsstoffe eigenhändig in Sicherheit.

Bald haben wir die Natur wieder für uns alleine. An diesem trüben und kalten Tag ziehen es wohl die meisten Wandervögel vor, in einer der geheizten Etappenherbergen zu verweilen und die raue Landschaft durch das Fenster zu geniessen.
Uns setzen die garstigen Bedingungen arg zu und wir treffen spätabends erschöpft und einmal mehr durchfroren und durchnässt am nächsten Etappenziel ein. Der Campingbesitzer zeigt uns anstatt des Reglements die heissen Duschen und einen regengeschützten Platz mit Stühlen und Tisch, an dem wir uns breitmachen dürfen. Wir schätzen diese warme Geste sehr.

Das Wetter wird je länger je schlechter und die Regenmontur ist längst Standardkleidung. Auf dem Weg nach Le Puy-en-Velay hilft am Nachmittag nur noch der Gang in eine Dorfbeiz und wir versuchen bei einer Tasse Tee unsere Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Als wir schliesslich in Le Puy-en-Velay eintreffen, scheint für einen Moment die Sonne und wir nutzen dieses Zeitfenster für einen Streifzug durch die Stadt. Blickfang ist eine Felskuppe, die am Rande der Innenstadt steht und auf der die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe, Heiliger Michael auf der Nadel, thront. Es handelt sich dabei um eine Basaltkuppe, auf französisch „puy“, ein ehemaliger Vulkanschlot. Die Stadt ist beliebter Ausgangspunkt zum Jakobsweg nach Santiago de Compostela und bekannt für ihre Kathedrale Notre-Dame-du-Puy, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Die Innenstadt mit ihren Herrschaftshäusern und den Pflastersteinstrassen versprüht viel Charme und lockt unzählige Touristen an. Am Abend kommen wir in einem uns empfohlenen Restaurant in den Genuss hervorragender französischer Küche. Den Samstag verbringen wir bei strömendem Regen auf dem Gemüse- und Delikatessenmarkt, der sich durch weite Teile der Altstadt zieht und trotz widrigen Bedingungen einen grossen Zulauf hat. Bis zum Abend vermag der Tumbler tatsächlich all unsere Kleider zu trocknen und wir fahren anderntags nach Ambert. Die zahlreichen reizvollen Städtchen und die wunderschöne Landschaft lassen uns auch diesen Tag überstehen. Am Abend kommt zum Dank für zwei Stunden die Sonne zum Vorschein und unsere Kleider und das Zelt trocknen wider Erwarten bis zum Eindunkeln ohne unser Zutun. Die Fahrt nach Vichy ist eine durchwegs nasse und äusserst langweilige Angelegenheit. Am Nachmittag wird der Regen stärker und die Temperaturen tiefer. Da der Zeltplatz etwas abseits liegt, verzichten wir auf eine Stadtbesichtigung und legen uns früh ins trockene Zelt. Anderntags steigen wir missgestimmt in die nassen Regenkleider und starten zur nächsten Etappe.

 Es gibt schon lange nur noch ein Ziel und das heisst auf schnellstem Wege und in grossen Schritten nach Paris gelangen. Dies gelingt uns trotz Regen ziemlich gut und wir treffen abends um sieben nass beim angesteuerten Zeltplatz ein. Dort finden wir ein verschlossenes Eingangstor vor und auf der Touristeninfo erfahren wir, dass der nächste Zeltplatz im 25 Kilometer entfernten Nevers liegt. So kommen wir bei strömendem Regen und schlechten Sichtverhältnissen abends um sieben in den Genuss einer 25 Kilometer langen Fahrt nach ebendieses Nevers, teilweise auf der vielbefahrenen Autostrasse. Unsere Nevers liegen blank. Nach 135 Tageskilometern treffen wir abends um halb neun Uhr mit letzter Kraft auf dem teilweise überfluteten Campingplatz am Fluss ein.

In den letzten sechs Tagen hatten wir mehr Regen als in den vergangenen elf Monaten. Was zum Geier habt ihr in dieser Zeit in Europa mit Petrus angestellt?

Die Prognosen versprechen für die kommenden drei Tage noch schlechteres Wetter und wir fragen uns, ob dies überhaupt noch möglich ist. Am nächsten Morgen wartet die Gewitterwolke über uns auf ihren grossen Auftritt. Doch diesmal hat sie die Rechnung ohne uns gemacht, wir rasen in TGV – Geschwindigkeit nach Paris.

Die Sonne empfängt uns in der Stadt der Liebe mit ihrem schönsten Lächeln.

Es bleibt euch eine Woche Zeit um euch mit dem schweizerisch-französischen Wettergott auszusöhnen. Gelingt euch dies, treffen wir Mitte Juni gutgelaunt in der Schweiz ein. Andernfalls treffen wir ebenfalls Mitte Juni ein.

3 thoughts on “Rien ne va plus!

  1. Helmut
    21 Juli, 2013 at 21:40

    Dies ist glaub ich mein einziger Kommentar. Ich hab es genossen euch auf eurer Reise zu begleiten. Tausend Dank dafür und zerrt lange von eurem Erlebten. Das kann euch niemand nehmen.

    GlG Helmut

  2. nadja abt
    15 Juni, 2013 at 08:08

    Liebe Sara
    Ein super spannender Reisebericht! Würde Dich sehr gerne wieder mal treffen! Lust, was abzumachen?
    Glg Nadja

  3. Desi
    2 Juni, 2013 at 07:02

    … Jetzt wisst Ihr, was wir hier die ganze Zeit wettertechnisch durchmachen! :( aber gemäss Prognosen soll es “bergauf” gehen ;) wir freuen uns auf Euch!

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